Alle vier Jahre ist es so weit: Das Bundeslager des VCP findet statt und damit machen sich rund 5000 Pfadis auf den Weg zu einem Lagerplatz, welcher am Ende eher einer Kleinstadt gleicht. Dieses Mal ging es in die Nähe von Wolfsburg, auf den Jugendzeltplatz Almke. Hinter dem Zeltplatz waren zusätzlich die angrenzenden Felder angemietet und Wege angelegt, damit alle ihren zugewiesenen Aufbauplatz finden konnten.
Die Anreise erfolgte an einem der heißesten Tage des Jahres, mit einer angekündigten Unwetterfront für just den Moment, zu dem wir auf dem Lagerplatz eintreffen sollten. Davor mussten wir jedoch erst einmal sechs Stunden Bahn fahren, was bis auf einen verpassten Zug und ein vergessenes Deutschlandticket relativ gut lief. Bei Ankunft auf dem Platz rollte bereits eine dunkle Wand am Horizont heran, sodass schleunigst eine Kohte aufgestellt wurde, um zumindest unser Gepäck trocken zu halten. Gerade als unsere Kohte fertig aufgebaut war, fegte eine Windböe zwei neun Meter durchmessende Jurten der Kochgruppe vor uns um. Das Programmzentrum des Landesverbandes Rheinland-Pfalz wurde ebenfalls kurzzeitig zum ungewollten Flugobjekt. Bei uns ist zum Glück alles heil und stehen geblieben. Kurz danach wehte über dem Lagerplatz eine große rote Fahne, welche alle weiteren Aufbauarbeiten verbot. Wir wollten eigentlich gerne weiter aufbauen, da es im Anschluss an die Windböe erträglichere 25 °C hatte, statt der 36 °C vor dem Unwetter. Als norddeutscher Pfadistamm sind wir schließlich ein bisschen Wind gewöhnt und bauen größere Zelte mit 50 cm-Heringen auf, dann fliegt nichts weg. Aber bis kurz vor 22 Uhr blieb es dabei: Der Aufbau von Zelten war vorerst verboten, und anschließend durften erst einmal nur Kothen aufgebaut werden. Blöderweise hatten wir dadurch erst einmal kein Küchenzelt. Das Essen des ersten Abends wurde daher kurzerhand im „Café“ des Landesverbands Schleswig-Holstein gekocht. Nach diesem chaotischen Start hatten wir eine angenehm ruhige Nacht.
Am nächsten Tag genossen die jüngeren Pfadis das Lagerleben in vollen Zügen. Die Älteren bauten die Küche und das Programmzentrum von Mike auf. Manches davon auch mehrfach über das Lager hinweg, da die Konstruktion des Programmzentrums leider eine Tendenz zum selbstständigen Abbau hatte. Im Programmzentrum stand nämlich ein aufblasbares Planetarium und die Konstruktion, die dafür nötig ist, ist eher speziell …
In den folgenden Tagen warteten Hitze, Badespaß und ein buntes Programm auf uns. Die Abende auf dem Lager verbrachten wir meist in geselliger Runde. Entweder auf dem eigenen Platz oder aber in einer der Oasen bei den Singerunden. Vor allem das Musische Zentrum war dafür ein hervorragender Ort.
Am sechsten Tag des Lagers kam es dann zu großer Aufregung. Mitten in der Nacht wurden wir durch eine Gewitterfront geweckt und mussten in die fest aufgebauten Versorgungszelte von Zoll und Technik evakuiert werden, während zwei heftige Gewitterfronten über uns herjagten. Auf diese anstrengende Nacht hätten wir alle gerne verzichtet. Aber hey, immerhin durften wir das Programmzelt von Mike am nächsten Tag wieder aufbauen. Mikes Technik hatte den Starkregen zum Glück überlebt, und Jurten können mehr ab, als man denkt.
Der Rest des Lagers verlief vergleichsweise ereignislos, da wir uns bei den hohen Temperaturen einfach nicht nach körperlicher Aktivität fühlten. Ausgenommen natürlich das für Pfadis kostenfreie Freibad, das gerne jeden Tag geentert wurde.
Der Abbautag war noch einmal ein bisschen chaotisch, weil wir unseren Shuttlebus zum Bahnhof um neun Minuten verpasst hatten. Aber da Pfadfinder*innen immer schnell eine Lösung finden, wurde ein alternatives Shuttle organisiert und wir bekamen unseren Zug doch noch.
Am Ende kamen wir alle müde, aber um viele Erinnerungen reicher in Kiel an und blicken zurück auf ein gelungenes Bundeslager.
